Krav Maga

Bei Krav Maga (ausgesprochen Kravh-Mhgah, aus dem Hebräischen einfach zu übersetzen als Kontaktkampf) handelt sich um ein schnell zu erlernendes und leicht anzuwendendes taktisches Selbstverteidigungssystem. 

Anstelle der Vermittlung einer Vielzahl komplizierter Techniken stellt Krav Maga einfache universelle Prinzipien in den Mittelpunkt. Zu diesen zählen u.a.

  • Die Verteidigung baut auf den natürlichen menschlichen Instinkten, Verhaltensweisen und biomechanischen Möglichkeiten auf
  • Die Verteidigung wirkt unmittelbar gegen die jeweils akute Gefahr
  • Jede Verteidigung ist zugleich Gegenangriff
  • Eine Verteidigung muss gegen verschiedene Angriffsformen funktionieren
  • Technische Lösungen sind individuell und leicht erlernbar
  • Die Verteidigung funktioniert unter ungünstigen Umständen
  • Das Training beinhaltet die Stresserfahrung realer Angriffe
  • Krav Maga ist offen und aktualisiert sich laufend

Der Zweck
Krav Maga ist Selbstverteidigung. Sie befähigt zur Gegenwehr für den Fall unberechtigter gewalttätiger Angriffe. Krav Maga verfolgt die Absicht, den oder die Angreifer schnellstmöglich zu neutralisieren.

Keep it simple
Im Krav Maga folgen alle technischen Lösungen von Natur aus gegebenen Möglichkeiten (Überlebensinstinkte, biomechanische Freiheitsgrade) und Einschränkungen (Angst-, Stressreaktionen), die der Mensch hat. Exakt darin liegt die Schnelligkeit begründet, in der Krav Maga erlernt und ausgeführt werden kann. Die Erklärung ist dabei einfach: Weil die Verteidigungshandlungen eng an Instinkte und natürliche Reflexmuster gekoppelt sind, reduziert sich die Reaktionszeit auf ein Minimum. Keep it simple. 

Keep it individual
Die Orientierung an Prinzipien erlaubt eine flexible Gestaltung des Unterrichts. Jeder trainiert und entwickelt auf diesem Wege sein eigenes persönliches Krav Maga. Hier offenbart sich eine weitere Besonderheit des Krav Maga. Im Fokus steht immer der Lerner und nicht das System. Der Trainierende entwickelt die für das Krav Maga übliche Nichtaufgeber-Mentalität. Keep it individual.

Die Geschichte

Die Entstehung des Krav Maga wird Imi Lichtenfeld zugeschrieben. Wie bei Edison und der Glühbirne, so war es allerdings auch bei Krav Maga kein sole inventor, der das System von heute auf morgen erfunden hat. Die Entwicklung des Krav Maga geht vielmehr auf zahlreiche gesellschaftliche und personale Einflüsse zurück, u.a. spielen hier enge Beziehungen zu sportlichen und militärischen Praxen in den 1930er und 1940er Jahren, geopolitische Ereignisse (u.a. Arabische Revolte) sowie verschiedene Personen (Mosche Feldenkrais, Gershon Kofler etc.) ein maßgebliche Rolle. Wir forschen zur Entstehung und Verbreitung des Krav Maga – die Ergebnisse widersprechen an vielen Stellen evidenzbasiert der abgrenzungstaktischen Folklore und dem gegenwärtigen Hype des Stils.

train2survive bietet Krav Maga Unterricht für Kinder ab 5 Jahren sowie für Jugendliche und Erwachsene.

Krav Maga Prinzipien

In der Literatur herrscht kein Konsens über die Prinzipien des Krav Maga. Vielmehr existieren je nach Quelle Ansammlungen von technischen, taktischen und teilweise moralischen Richtlinien. Das bekannteste Zitat des Gründers Imi Lichtenfeld „Don’t get hurt“ kann als Universalprinzip des Krav Maga betrachtet werden (siehe Abbildung). Weitere Prinzipien in diesem Zusammenhang sind

  • Handle effektiv (das technische Prinzip des Krav Maga)
  • Handle richtig (das moralische Prinzip des Krav Maga)

Eine genauer Analyse der Prinzipen im Krav Maga wurde in einem Beitrag auf der Sportphilophentagung in Darmstadt 2016 von Mario Staller vorgenommen:

Staller, M. S. (2018). „Aus großer Kraft folgt große Verantwortung!“ – Die ethische Dimension eines vermeintlich brutalen Selbstverteidigungssystems. In F. Bockrath & K. Schultz (Hrsg.), Reflexive Sportwissenschaft (Band 7): Kraft, Körper und Geschlecht(S. 57-68), Berlin, Lehmanns Media.

Das technische, das moralische und das Universalprinzip im Krav Maga (Staller, 2018)